Kleiner Mann ganz Groß – Hurra ich bin ein Schulkind

Es ist Samstag der 11. August, ich werde früh wach und spüre sofort die freudige Aufregung. Ich trinke in Ruhe einen Kaffee auf der Dachterrasse und gehe im Kopf den Tag durch, sortiere noch einmal den Ablauf. Ein großer Tag für meinen Kleinen, ein bewegender Tag für mich, schließlich kommt mein Jüngster in die Schule.

Um 8 Uhr fahre ich los, um die Zuckertüten im Vereinshaus, wo die Veranstaltung stattfinden wird, abzugeben. Dabei treffe ich viele befreundete Eltern vom Kindergarten. Wir reden kurz miteinander und ich stelle fest, dass diese Mischung aus Freude vor dem neuen Lebensabschnitt und der damit verbundenen Sorge überall vorhanden ist.

Wieder zu Hause kommt mir mein kleiner Löwe entgegen. Er lacht über alle vier Backen, kann es kaum erwarten loszugehen und ist ganz hibbelig vor Ungeduld. Und während mein kleiner Träumer sonst immer etwas gedrängt werden muss, damit er rechtzeitig fertig wird, läuft heute alles wie ein schweizer Uhrwerk.

Pünktlich kommt meine Schwester und holt klein Löwenherz ab, denn zur Feier des Tages darf er mit dem Cabrio zum Vereinshaus fahren. Stolz wie Bolle sitzt er vorne, grinst von Ohr zu Ohr.

Die Veranstaltung und das Programm sind sehr schön. Einziger Dämpfer ist, dass mein Ex die Unverschämtheit besitzt und sich in die Reihe meiner Familie und mir setzt, so als wäre nichts. Dabei waren genug Plätze ringsherum noch frei.

Zum Schluss werden die Kinder für die Übergabe der Zuckertüten klassenweise auf die Bühne gerufen. Damit stürzen die Eltern nach vorn, um entsprechende Fotos zu machen und das Chaos ist perfekt. Die Kinder merken nichts davon, sind ganz aus dem Häuschen über diese großen, prall gefüllten Schultüten, die kaum zu halten sind, und lachen mit der Sonne um die Wette. Selbst mein Großer lacht übers ganze Gesicht, als er seine Geschwistertüte im Arm hält und genau der Hase darauf ist, den er vor ein paar Wochen gesehen hat und von mir gekauft haben wollte, doch ich nicht nachgegeben habe.

Statt einer liebevoll gepackten Zuckertüte gabs vom Ex einen Folienballon für unseren Löwen. Der Ballon ist schon auf dem Weg zum Auto weggeflogen, da er ungünstig am Jacket drangemacht wurde und bei jeder Bewegung im Weg war. Die Enttäuschung darüber war schnell vorbei, da er durch die Zuckertüten und Geschenke unserer Familie, Freunde, Bekannte und Verwandte schnell abgelenkt war.

Wir feierten in meinem Garten, den ich mit Girlanden und unzähligen Schultüten geschmückt hatte. Die Kinder spielten entspannt oder planschten im Pool während die Erwachsenen sich angeregt unterhielten. Abends machten wir noch ein Feuer und sahen sogar Sternschnuppen am Himmelszelt. Es war einfach nur schön. Sehr, sehr schön. Ich kann mich gar nicht erinnern jemals so eine harmonische Festlichkeit gehabt zu haben, was auch den Gästen auffiel. Keine Spannungen, kein Streit, nur Wohlfühlen und Zufrieden sein. Mal wieder eine Bestätigung dafür auf dem richtigen Weg zu sein und all das Negative hinter mir zu lassen.

Am 1. Schultag sind beide Jungs bei Zeiten munter und wir können in Ruhe frühstücken, bevor es zur Schule geht. Während mein Großer keine Lust darauf hat, freut sich der Kleine ohne Ende. Ich begleite ihn zu seinem Klassenzimmer und wechsel ein paar Worte mit seiner Klassenlehrerin. Mit gemischten Gefühlen verabschiede ich mich und fahre im Anschluss zu meiner Baustelle.

Auf das die Neugier, die Freude am Lernen und der Spaß bei der Arbeit so lange als möglich erhalten bleiben! Du wirst deinen Weg gehen kleiner großer Löwe und ich werde dich unterstützend begleiten.

xoxj J.

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Thoughts

I’ve been walking the hardest way I’ve ever had to go. It is the most hurtful one but at the same time the best what could have happend to me and my boys. Even if one can’t see the uncountable wounds and scars of a verbal abusive relationship, they are there and need a long long time to heal. Time I took the last months. Time I need. Time I will take. Time I will give myself and my soul as a gift. And today I already could feel the first sparks, the first glim of a new beginning a new kind of power towards a new meaningful and happy life!

Das Beziehungsmuster zwischen einem Empathen und einem Narzissten, in 27 Schritten erklärt

Dieser Artikel hat heute meine Aufmerksamkeit erregt und fasst recht schlüssig die letzten er- und gelebten 18 Jahre zusammen:

Wenn du ein Empath bist, fühlst du intensiv und bist empfindsam. Du fühlst dich in andere ein und sie beeinflussen dich oft auch ohne dass du es merkst. Narzissten sind so ziemlich das Gegenteil davon. Ein Narzisst ist total auf sich selbst bezogen und interessiert sich nicht für andere.

Was passiert, wenn diese zwei Menschen eine Beziehung eingehen, zeigen die nächsten 27 Schritte.

Der Anfang

1. Der Empath und der Narzisst gehen eine Beziehung ein. Der Empath ist überglücklich, jemanden zu haben, dem er seine Zuneigung schenken kann. Die Nähe des Narzissten reicht ihm vollkommen aus, dass er sich total verliebt und erfüllt fühlt. Der Narzisst tut dagegen wenig, um dem Empathen zu zeigen, dass er ihn liebt, aber das merkt der Empath nicht.

2. Die Liebe und die Verbindung wird stärker – zumindest glaubt das der Empath. Er beginnt, sich voll und ganz in die Beziehung zu geben.

3. Die völlige Hingabe des Empathen ist genau das, was der Narzisst erreichen will. Er tut alles, um die Kontrolle zu haben. Er spielt dem Empathen vor, dass sie eine unzerstörbare Beziehung haben, die er genau so sehr möchte, wie der Empath. Aber das ist nur gespielt.

Die Illusion

4. Nun fängt der Narzisst an, den Empathen „klein“ zu machen. Er kritisiert ihn. Anfangs nur ganz leicht und harmlos, indem er im vermittelt, „er wolle ihn ja nicht verletzen, aber …“. Der Narzisst hat immer mehr auszusetzen und gibt dem Empathen das Gefühl, er könne nichts richtig machen.

5. Der Empath glaubt, dass er nicht viel zustande bringt und froh sein kann, den Narzissten zu haben. So wird er immer abhängiger vom Narzissten.

6. Der Narzisst übernimmt nun jede Entscheidung und bestimmt alles. Er hat die völlige Kontrolle über die Beziehung.

7. Der Empath wird weiterhin sehr einfühlsam sein und alles für den Narzissten tun, denn er sieht nicht, was dieser mit ihm macht. Alles dreht sich für den Empathen nur um den Narzissten und er empfindet es als seine Hauptaufgabe diesen glücklich zu machen, für ihn da zu sein und ihm jeden Wunsch von den Lippen abzulesen.

8. Der Narzisst verstärkt das, indem er den Empathen manipuliert und sich darstellt, als bräuchte er noch mehr Zuwendung, worauf der Empath natürlich gerne eingeht.

9. Der Empath wird dem Narzissten aber nie mit seiner Liebe helfen können. Das weiß er nur leider nicht. Die tiefen Verletzungen im Inneren des Narzissten werden durch das hingebungsvolle Herz des Empathen nicht geheilt werden können.

10. Der Empath wird immer „kleiner“ und steckt seine eigenen Bedürfnisse zurück. Er möchte dem Narzissten helfen und ihn glücklich machen und versucht deswegen alles zu tun, was der Narzisst möchte.

11. Der Narzisst wird so immer noch mächtiger in der Beziehung.

Die zweite Illusion

12. Der Empath wird zunehmend unglücklicher und erwacht schließlich irgendwann. Er bemerkt, dass er seine Bedürfnisse komplett zurück gesteckt hat und wie sehr ihn das belastet. Er redet darüber mit dem Narzissten.

13. Das stößt dem Narzissten sauer auf. Er gibt dem Empathen das Gefühl, nicht richtig zu sein oder zu übertreiben. Er versucht den Empathen runterzumachen, um wieder die Macht zu erlangen.

14. Diese Situation ist für den Empathen fast nicht auszuhalten. Er fühlt sich nun unglaublich schuldig und als wäre er wertlos, weil er dem Narzissten so ungerecht gegenüber war, so denkt er zumindest.

15. So wird der Empath ein zweites Mal illusioniert und ausgenutzt, ohne dass er es merkt.

16. Der Empath wird nie Erfolg damit haben, mit dem Narzissten ein Gespräch über seine Gefühle zu führen. Immer endet es damit, dass der Empath sich schuldig fühlt und der Narzisst ihm vermittelt, dass er alleine Recht hat.

17. Das zerstört den Empathen langsam aber sicher. Er fühlt sich unsicher und als wäre er nicht „richtig“. Es breitet sich ein tiefer Schmerz in ihm aus, der nicht so schnell wieder verschwinden wird.

Das Erwachen

18. Irgendwann erkennt der Empath, dass der Narzisst seine Liebe nicht verdient hat und dass sein ganzer Aufwand dem Narzissten nicht helfen wird. Er wird lernen nicht jedem zu vertrauen.

19. Langsam geht dem Empathen ein Licht auf, dass der Narzisst sich nie ändern wird und dass es nur immer schlimmer wird.

20. Und er sieht ein, dass er die Vorstellung, dem Narzissten helfen zu können, loslassen muss, damit beide ihre eigenen Wege gehen können.

21. Der Empath bemerkt, dass er derjenige ist, den die Beziehung zerstört hat und dass er sich jetzt selber helfen muss.

Der Schlussstrich

22. Der Empath beendet, schweren Herzens, die Beziehung und bleibt gebrochen zurück.

23. Für den Narzissten ist es, als wenn nichts gewesen wäre und schnell hat er die Beziehung hinter sich gelassen und auch alles, was der Empath ihm Wertvolles entgegen gebracht hat.

24. Für den Empathen wird es nicht so einfach sein, damit abzuschließen, aber mit viel Selbstreflexion und harter Arbeit an sich, kann er lernen, sich wieder anzunehmen und das Vergangene zu akzeptieren.

25. Der Narzisst geht seinen Weg weiter und wird schnell wieder jemanden finden, den er verführen und manipulieren kann. Er hat sich nicht ein Bisschen verändert.

26. Der Empath hingegen wird durch diese Erfahrung wachsen, stärker werden und gelernt haben, zweimal hinzusehen, wem er sein Herz schenkt.

27. Man sagt, dass Empathen die „Heiler der Nation“ seien. Das „Helfen“ ist in sie hineingelegt und ihre Lebensaufgabe. Mit ihrem guten Herz und ihrer hingebungsvollen Liebe bringen sie etwas sehr Wertvolles in unsere Welt. Ein Narzisst wird das nicht vollkommen zerstören können. Aber er wird es auch nie zu schätzen wissen.

Es wird noch lange dauern bis die letzten Jahre aufgearbeitet sind, doch neben Gesprächen mit guten Freunden und einer tollen Psychotherapeutin helfen nach wie vor die liebgewonnenen kleinen und doch schönen Momenten eines jeden Tages. So auch vom heutigen Tag, den wir bei einer liebgewonnenen Blogfreundin und ihrer Familie verbringen durften.

Diesen Artikel findet ihr hier: https://deno-licina.com/2018/07/16/so-laeuft-die-beziehung-eines-empathen-und-eines-narzissten-ab-erklaert-in-27-schritten/

Wir Drei bleiben zusammen – Hausausbau

Am Freitag vor zwei Wochen war die Verhandlung in der es darum ging, ob die Kinder mit mir ausziehen dürfen oder bei ihm wohnen bleiben. Ich hatte arge Bauchschmerzen davor, da er mich als emotional instabil und überfordert hinstellte, Eigenschaften die man, auch wenn diese nicht zutreffen, nur schwer widerlegen kann. Dazu kommt die Pro Väter Einstellung, die derzeit in Deutschland vorherrscht. Unsere Jungs wurden sowohl von ihrem Verfahrensbeistand als auch von der Richterin befragt und das, obwohl sie erst 6 und 8 sind. Sie mussten dabei Fragen beantworten wie „Wo wollt ihr leben?“, „Wer soll über euch bestimmen?“, „Wo fühlt ihr euch wohler?“ – die Tragweite dieser Antworten können Kinder noch gar nicht verstehen.

Auch auf die Gefahr hin meinen Großen zu verlieren, denn er ist das typische Papakind während der Kleine ein Mamakind ist, sagte ich ihm immer, dass er auf sein Herz hören soll und das ich es verstehe, wenn er beim Papa wohnen mag. Doch seine Antwort war sowohl bei dem Verfahrensbeistand als auch bei der Richterin eindeutig, er möchte genau wie der Kleine bei mir leben und das dürfen meine Jungs jetzt auch. Ende des Sommers ziehen wir in unser neues Zuhause, was uns keiner mehr nehmen kann. Einen festen Ort der Liebe, Harmonie und des Friedens, der Platz, an dem meine Gurken endlich zur Ruhe kommen und ohne ständige Spannungen aufwachsen können. Sie haben es verdient eine unbekümmerte Kindheit zu erleben.

Es ist traurig, dass ein intelligenter Mensch gegenüber seinen Kindern keine Rücksicht kennt und seinen Frust auf ihrem Rücken austrägt. Eine typische Bemerkung ist „Eure Mutter will nicht, dass…“ und damit bringt er sie wieder und wieder in Loyalitätskonflikte, die ihre Kinderseele arg belasten. Einen seiner Anfälle konnte die Psychologin miterleben, bei der wir letzten Freitag das Abschlussgespräch von Leos KH-Aufenthalt hatten. Kopfschütteln und tadelnde Worte ihrerseits, verbunden mit dem Hinweis wie schädigend dieses Verhalten gerade vor den Kindern ist. Ob er sich dies annimmt bleibt abzuwarten, ich glaube nicht mehr daran.

Das Glück ist zurück! Mein Abi habe ich mit Auszeichnung (1,2 Durchschnitt) abgeschlossen, die Jungs dürfen bei mir leben, Bewerbung an meine bevorzugte Hochschule Sonntagabend gemailt und Montag Mittag die Einladung zum Aufnahmegespräch bekommen), Gespräch verlief erfolgreich und am 8. Oktober beginnt dann das Studium, mit meinem Haus geht es in großen Schritten voran (Bio-Kläranlage steht, Wasseranschluss wurde eingerichtet, Elektrik ist am Laufen, der Innenausbau funzt – kann gern so weiter gehen), ich habe einen ganz wunderbaren Freundes- und Bekanntenkreis und kann auch sonst nicht klagen. Life is beautiful!

Ich baue ein Haus… aus

Es ist gar nicht so einfach, als Frau alleine ein Haus auszubauen. Erst zugesicherte Hilfe blieb aus, da man sich vom Ex einstellen ließ und auf einmal keine Zeit mehr hat. Selbst auf die Einladung zum Schulanfang kam ein „ich weiß nicht, ob ich Zeit haben werde“ – schade für die Jungs. Von dem ursprünglichen neutral bleiben wollen ist nichts mehr da.

Doch mein Glück scheint wieder zurück gekommen zu sein, denn es kommt Hilfe von Seiten, von denen ich es nie erwartet hätte. Gerade in einem Dorf, indem man sich mehr oder weniger kennt, bleibt nichts verborgen. Typische Gespräche sind:

„Mensch, und das wo ihr die Villa gerade so schön macht.“

„Naja, für die Freundin ist halt auf einmal alles möglich, was für die Familie nicht machbar war.“

Und dann schwärme ich von meinem Häuschen, meinem kleinen Paradies und dem Problem Handwerker zu finden. Fast ausschließlich wird mir diesbezüglich Hilfe angeboten, sei es in Form von Telefonnummern, oder der Weitergabe meiner Handynummer bzw. direkt mit handwerklich begabten Bekannten zur Baustelle zu kommen. Jeder, wirklich jeder der bisher bei mir auf der Baustelle war, ist von der Lage und dem herrlichen Grundstück, welches von Wiesen und Feldern umgeben ist, begeistert. Das einzige was man bei mir hören kann ist das zwitschern der Vögel und die Kommunikationslaute von Pferden, Ziegen, Schafen und Gänsen. Eine Oase der Ruhe.

Das größte Problem war eine Elektroinstallationsfirma zu finden, da ich die komplette Elektrik neu machen muss, denn es ist alles noch aus tiefsten DDR Zeiten und ohne FI-Schalter. Bei einem Gespräch mit einem Bekannten, welchem ich dieses Problem darlegte, bekam ich eine Telefonnummer und den Hinweis, am Montag anzurufen (mit dem Tipp von wem ich die Nummer habe), was ich auch tat. Und siehe da, früh angerufen, mittags war der Elektriker vor Ort, am späten Nachmittag hatte ich das Angebot in der Mail, am nächsten Tag kam er mit einem Mitarbeiter, welcher jetzt ausschließlich für mein Projekt zuständig ist und es wurde jedes einzelne Zimmer besprochen. Außerdem wurden die Kabelkanäle angezeichnet, die ich jetzt fräsen muss und wo die Steckdosen hinkommen, die mit einer Bohrkrone gebohrt werden müssen. Ich versuche so viel als möglich selber zu machen, nicht nur zum Sparen, sondern auch um handwerklich dazu zu lernen, schließlich werde ich künftig alles selber im Haus machen müssen.

Mittlerweile kann ich eine Wandfräse benutzen, mit einem Bohrhammer umgehen und Kabelkanäle vorbereiten.

Dann gab es in einem Raum herrliche alte Dielen, die ich gern behalten wollte. Nachdem es einen Tipp gab hierfür eine Walzschleifmaschine zu nutzen, habe ich selbige im OBI ausgeliehen und mich ans Werk gemacht. Zehn Stunden später bin ich mehr als zufrieden mit mir und meinem Werk.

Dieses Wochenende gibt es noch einmal vollen Arbeitseinsatz, da ab Montag meine zwei Gurken aus dem Urlaub zurück sind und dann erst einmal sie der Mittelpunkt sein werden.

xoxo J.

Kinder im Trennungs- bzw. Scheidungsprozess

Wenn der Partner geht, dann verlässt er seine Familie. Nicht nur den Freund, die Freundin, Ehefrau oder Ehemann, er verlässt alles, was zurück bleibt. Gerade wenn Kinder mit im Spiel sind, und das ist bei mir der Fall, von daher liegt mir dieses Thema auch sehr am Herzen, werden auch diese zurück gelassen. Oftmals ohne eine Erklärung des gehenden Partners, denn der andere wird sich schon darum kümmern. Aus der Sicht der Kinder wurden sie verlassen, schliesslich vermissen sie den Elternteil, der am täglichen Leben nicht mehr aktiv beteiligt ist, es fehlt der zweite Ansprechpartner für sie und die andere Seite der häuslichen Stabilitaet. Für sie bricht einfach mal so und ohne Mitspracherecht eine Welt zusammen und sie werden hilflos im Trümmerhaufen zurückgelassen. Das hat zur Folge, dass ihr Glaube an das Gute in der Welt massiv erschüttert wird, was sie natürlich sehr verunsichert und in ihrer Entwicklung des eigenen Ichs einschränkt.

Kinder fühlen sich in dieser Situation innerlich zerrissen, denn sie lieben Mama und Papa. Sie trauern, da ihre Eltern nicht mehr zusammen sind und geben sich oftmals selbst die Schuld an der ganzen Situation, obwohl sie rein gar nichts dafür können. Sie sind wütend, möchten am liebsten das sich ihre Eltern wieder versöhnen und versuchen dabei sogar zu vermitteln, denn sie haben Angst beide zu verlieren.

Meine Jungs gehen sehr unterschiedlich mit dieser Trennungssituation um und während der Kleine es „wegsteckt“ leidet mein Grosser ganz arg darunter, was mich innerlich zerreisst und auch wütend macht. Ich frage mich immer wieder wie ich ihm helfen kann, wenn ich selber mit dieser Wut und dem Nichtverstehen zu kämpfen habe. Wir konnten ein paar gute Gespräche führen, was nicht einfach war, denn ich wollte ihn auf keinen Fall überfordern und versuchte es so kindgerecht als möglich zu gestalten, zu formulieren. Als ich merkte, dass ich dabei an meine Grenzen stoße habe ich im Internet recherchiert und bin auf zwei Bücher gestossen, die ich mir gleich bestellte. Zum einen Glückliche Scheidungskinder: Was Kinder nach der Trennung brauchen  von Remo H. Largo und Monika Czernin und für die Jungs ein themenbezogenes Kinderbuch Fips versteht die Welt nicht mehr: Wenn Eltern sich trennen von Jeanette Randerath und Imke Sönnichsen. Mehr zu den Büchern in einem anderen Blogpost.

Für mich war es anfangs sehr schwer die Balance zwischen meinen Gefühlen und dem Wohl der Kinder zu finden. Auch bei mir kam durch die Wut der Gedanke auf, ihn mit einem vorenthalten der Kinder „zu strafen“, was ich jedoch nicht umsetzte und auch nicht durchsetzen werde – eben zum Wohle meiner Gurken. Doch ich fing an sie intensiv zu beobachten und machte dabei die Entdeckung, dass es ihnen am besten geht, wenn wir eine klare Struktur in Form eines 14tägigen Umgangs pflegen. In den zwei Wochen, in denen die Jungs und ich allein sind ist es mittlerweile richtig harmonisch. Fast kein Zank zwischen den Beiden mehr, im Gegenteil, der Grosse holte sogar schon den Kleinen ganz allein und sichtlich stolz vom Kindergarten ab. Als wir Ostermontag im Spaßbad waren, nahm er ihn an die Hand, passte auf seinen kleinen Bruder auf und man merkte, wie er sich nicht nur seiner Rolle als großer Bruder bewusst war, sondern auch wie es ihm gefiel.

Ganz anders ist es, wenn mein Ex-Mann unten in seiner Wohnung ist und der Große es weiss. Dann spüre ich förmlich, wie er innerlich zerrissen ist (der Papa ist unten ganz allein, das darf nicht sein) und obwohl er sehr gern oben bei uns bleiben würde, geht er dann runter. Dieses nicht zu wissen, wie er sich verhalten soll, von sich aus verhalten soll, tut seiner kleinen Kinderseele einfach nicht gut. Diese ständige Belastung etwas retten bzw. es jedem Recht machen zu wollen steht kontraproduktiv einer „kinderfreundlichen Scheidung“ gegenüber. Von daher bat ich meinen Ex auch, dass er die zwei Wochen, in denen die Jungs bei mir sind, nicht da ist und er in Jena bleibt, wo er ja noch einmal neu durchstarten möchte. Win Win für beide Seiten.

Waren die Kinder bei meinem Ex-Mann, dauert es immer zwei bis drei Tage, bis sie sich wieder eingespielt haben und zur Ruhe gekommen sind. Auch der Erzieherin aus dem Kindergarten ist schon aufgefallen, wie sehr mein Kleiner durch den Wind ist, wenn er beim Vater war. Dasselbe Verhalten ist auch beim Grossen in der Schule aufgefallen. Acht Jahre lang haben die Jungs mehr oder weniger oft nur den Rücken ihres Vaters gesehen, da es für ihn nur die Arbeit am Computer gab. Jetzt ist er nicht nur weg, sondern unternimmt auf einmal ganz viel mit ihnen, wenn er sie hat und beschenkt sie von vorne bis hinten. Klar, dass das die Jungs irritiert, denn es hat sich nicht nur der familiäre Zustand, sondern auch das Verhalten des Vaters ihnen gegenüber geändert.

Jeder Elternteil sollte darauf achten, dass gemeinsame Aktivitäten, die er vor der Trennung mit dem Kind gemacht hat, möglichst beizubehalten, denn sie verbinden ihn mit dem Kind. (siehe oben verlinktes Buch „Glückliche Scheidungskinder“). Nur so kann den Kindern eine weiterhin stabile Basis für die Beziehung zueinander vermittelt werden, alles andere verunsichert noch mehr, egal wie gut man es meint.

Wie sich Trennung und Scheidung auf das Bindungs- und Sozialverhalten von Kindern auswirken koennen (aus: „Glückliche Scheidungskinder“):

Ich habe hier nur mal den Auszug für das Alter 6-12 Jahre, da meine Kinder in dieser Altergruppe sind. Dazu sei auch noch zu erwähnen, dass es Jungs intensiver trifft als Mädchen.

  • Beziehungen sind personalisiert, jeder Verlust wird bewusst als solcher wahrgenommen
  • die Bereitschaft, neue Bindungen einzugehen, ist vermindert
  • die Bindung zu den Eltern ist noch unabdingbar, jede Form von Verlassenwerden löst Verlustängste aus
  • Lebensumfeld und Freunde werden immer wichtiger, ein Umzug kann sehr belastend sein
  • Ungenügende Betreuung und Streit der Eltern belasten das Kind
  • Schulkinder verkraften Trennung und Scheidung schlechter als jüngere Kinder
  • Schulkinder verstehen die wahren Beweggründe der elterlichen Beziehungskonflikte noch nicht. Sie suchen daher die Gründe bei sich, woraus Schuldgefühle entstehen können

Da habe ich noch einiges an Arbeit vor mir, um sie so sanft und geschützt als nur möglich durch dieses ganze Trauma zu führen.

Ein absolutes No-Go während einer Trennung / Scheidung für mich ist, dass der Ex vor den Kindern schlecht gemacht wird. Sachen wie „eure Mutter will nicht, dass ich euch sehe“ oder „du bist genau wie dein Vater“ (negativ bewertet) und schlimmeres, gehen gar nicht. Bis heute habe ich vor den Jungs kein böses Wort über ihn verloren, auch wenn ich es an so manchen Tagen gern herausgeschrien hätte. Ich bestätige eher die Gefühle, wenn meine Jungs darüber sprechen wollen und stimme ihnen zu wie „mir tut es genauso weh wie dir“, „ich kann es auch nicht verstehen“ oder „ja, alles wird wieder gut – und das auch, wenn nur noch wir Drei zusammen sind!“.

Mut machend, statt miesmachen.

Hat den Vorteil, dass man sich dabei selber auch ein Stück weit motiviert und sich so aus dem Tief befördert.

PS: ich bekam Anfragen, dass man mir gern eine Email zum Thema schicken möchte, es jedoch nicht per PN über den Blog funktioniert. Also, schreibt mir einfach einen Kommentar und fangt mit „BITTE NICHT FREISCHALTEN“ an, dann wir dieser nicht sichtbar gemacht werden und ihr könnt mir so euer Anliegen darlegen, eure Meinung usw. wissen lassen und wenn ihr eure Email Adresse mit reinschreibt, kann ich euch auch antworten.

xoxo J.

Sei ehrlich zu dir selbst

Würdest du wieder einen Mann zurückhaben wollen, der dir diesen Schmerz angetan hat? Immer in dem Bewusstsein, dass das wieder passieren kann?

Nein!

Ich war genauso in der Phase wie jeder andere, der betrogen und/oder verlassen wurde und habe mich selber damit belogen. Dabei hatte ich an erster Stelle an meine Kinder gedacht, denn für sie wäre es natürlich das Beste, wenn sie ihre heile Welt, ihre heile Familie, ihr gewohntes Umfeld wieder bekommen würden. Doch was würde dies aus mir machen? Ich hinterfragte meine Motive und musste dabei feststellen, dass ich es eigentlich nur den Kindern zuliebe wollte. Meine eigenen Bedürfnisse würde ich zurückstellen und dabei auf der Strecke bleiben, denn ich kenne mich und weiss ganz genau, dass ich mit dem Gedanken nicht leben könnte. Es würde mich wie ein Getreidekorn zermahlen und im Streit würde es entsprechend immer wieder hochkommen. Ich würde ihm seine Untreue vorhalten und wie er damit nur alles kaputt machen konnte. Ich würde in diesen Gedanken gefangen bleiben, denn auch wenn man verzeiht, vergessen kann man so etwas nicht. Nein, ich kann nicht damit leben. Ich kann ihm einfach nicht mehr vertrauen. Ich würde daran zerbrechen.

Es ist an der Zeit die eigenen Bedürfniss an die erste Stelle zu stellen, um wieder zu leben, zu lieben, zu wachsen. Geht es mir gut, dann überträgt sich diese Ausgeglichenheit und Zufriedenheit auch auf meine Kinder. Und ganz unbewusst lernen sie, dass man sich seinem Schicksal nicht ergeben soll, sondern aufstehen und weitermachen. Neue Ziele suchen, einen neuen Weg beschreiten, sich seine eigene Zukunft gestalten und das ganz aktiv.

Natürlich werde ich immer wieder diesen emotionalen Schmerz fühlen, doch es wird weniger werden. Bei mir konnte ich feststellen, dass es im Einklang mit meinen Hormonen ist. Mir geht es drei Wochen recht gut, doch dann kommt die eine Woche und in der stürzt es regelmässig ab. Doch die Abstürze werden von mal zu mal geringer und mittlerweile kann ich auch ohne Tränen mit anderen über meine Situation sprechen. Es hilft, wenn man sich öffnen und reden kann oder, so wie ich es gerade mit meinem Blog mache, darüber schreiben. So kann ich meine Gedanken sortieren und aus meinem Kopf bekommen. Ich kann mich und meine Gefühle hinterfragen und warum ich in bestimmten Situationen so reagiere wie ich es tu und nicht anders. Ich kann mich Satz für Satz von dieser Last befreien und mich auf diese Weise neu orientieren. Und eine Neu-Orientierung ist genau das was ich derzeit anstrebe.

Ich stecke mir neue Ziele. Auf kurze Sicht gesehen und langfristig. Plane meine Wochenenden an denen meine Gurken bei mir sind und verplane für mich allein auch diese, die sie bei ihrem Papa verbringen. Es wird sich viel Neues auftun in unserem ersten Jahr als Dreiergespann. Wir werden neue Städte entdecken und viele Kurztripps unternehmen – darauf freue ich mich.

Ostersonntag

Nach einem gemütlichen Frühstück, bei dem mir mein Großer freudestrahlend sein Ostergeschenk, welches er mit viel Liebe und Sorgfalt in der Schule gebastelt hat, übergab – stolz wie Bolle war er darauf – wurde erst einmal mit unserem neuen Familienzuwachs gekuschelt. Seit fast einem Jahr lagen mir die Gurken mit „wir wünschen uns einen Hasen“ im Ohr und vor zwei Wochen habe ich diesen Wunsch wahr gemacht. Mein Ex-Mann war immer gegen Haustiere, doch ich finde es gibt nichts schöneres für Kinder. Sie haben auf diese Weise nicht nur einen kleinen Freund zum kuscheln und dem sie all ihre kleinen und großen Sorgen anvertrauen können, sie lernen auch auf diese Weise Verantwortung zu tragen und was es bedeutet, für ein anderes Wesen da zu sein. Sie kümmern sich rührend um ihre zwei Löwenköpfchen Zwergkaninchen, welche die Namen Hanni und Nanni tragen.

Unser Ostersonntag verlief gemütlich und ruhig, was auch dem Wetter geschuldet war, denn wirklich raus und toben konnten wir nicht. Nur zum Osterkörbchen suchen ging es in den Garten und just in diesem Moment fing es auch noch an mit regnen. Sie waren beide überglücklich mit ihrem Osternest und verbrachten den Rest des Tages spielend und bauend, immer in meiner Nähe. Ausserdem schauten wir uns den Film „The Nut Job“ an. Nicht wirklich neu, doch bringt uns immer wieder dazu herzhaft zu lachen.

Sie fragten kein einziges Mal nach ihrem Papa, zum Glück, denn darauf antworten können hätte ich nicht, denn es kam nichts. Kein Anruf, keine Nachricht, keine Mail, nichts was darauf hinweisen würde, dass wenigstens noch ein klein wenig Interesse an ihnen vorhanden ist. Traurig.